Ein Schritt näher an die Klimaanpassung durch Bürgerbeteiligung
An einem Wochentagabend, als die Abendsonne langsam unterging, trafen sich 20 engagierte Bürger im Ruderclub am Hafen von Nykøbing Falster (Guldborgsund Kommune) zu einem von ClimateBlue organisierten Workshop. Ziel des Workshops war es, eine gemeinsame Grundlage für zukünftige Klimaanpassungsmaßnahmen im Gebiet rund um Slotsbryggen, Sophieholmen und den Bülowpark zu schaffen. Alle Bürger hatten gemeinsam, dass sie direkt am Wasser wohnen und daher deutlich spüren, wie sich der Klimawandel auf ihr Leben ausgewirkt hat und ihnen im Alltag verschiedene Sorgen bereitet.
Am 26. Februar veranstaltete ClimateBlue einen Workshop in der Guldborgsund Kommune, moderiert von Kristof Tomej, Dozent am SDU Climate Cluster und Community Manager bei ClimateBlue, sowie Stiffani Rominikan von der Guldborgsund Kommune. In den schönen Räumlichkeiten des Ruderclubs hatten sich zahlreiche Anwohner der umliegenden Hafenwohnungen versammelt, um ihre Gedanken und Bedenken zum Leben in unmittelbarer Wassernähe zu teilen. Alle Teilnehmer zogen eine farbige Perle, die angab, an welchem Tisch sie Platz nehmen sollten. Auf diese Weise wurden die Bürger gemischt, sodass sie mit Personen zusammensaßen, mit denen sie im Alltag vielleicht nicht sprechen. Ein lebhaftes Stimmengewirr erfüllte den Raum, je mehr Teilnehmer eintrafen, während Kaffee eingeschenkt und Kuchen genossen wurde.
Dann begann der Workshop. Zu Beginn fragte Kristof Tomej die Teilnehmer, warum sie an diesem Tag gekommen waren. Die Antworten waren vielfältig: Einige waren aus Neugier gekommen, andere wegen ihrer Sorgen über Küstenschutz und steigende Wasserstände. Eine Person berichtete, dass es bereits zwei Überschwemmungen in der Gegend gegeben habe, und wollte daher wissen, was künftig geplant sei. Eine andere erwähnte, dass sie Wasser im Keller vermeiden möchte. Es gab also viele unterschiedliche Gründe für die Teilnahme.
Eine Diskussion über Verantwortung, Finanzierung und Lösungen
Kristof Tomej bat alle Teilnehmer, drei Fragen aufzuschreiben, auf die sie im Zusammenhang mit der Klimaanpassung der Küsten Antworten erhalten möchten. Dies geschah zunächst individuell, anschließend wurden die Fragen in den Gruppen diskutiert. Dabei sollten auch gemeinsame Themen identifiziert und notiert werden. Die Themen, die in den meisten Gruppen wiederkehrten, waren Verantwortung, Finanzierung und Lösungen.
Dies führte zu einer gemeinsamen Diskussion, in der die Bürger ihre Gedanken untereinander und mit ClimateBlue teilten. Mehrere Teilnehmer betonten beispielsweise, dass es einen Ansatzpunkt geben müsse, um den Prozess voranzubringen. In diesem Zusammenhang äußerte ein Teilnehmer, dass es zu einem Konflikt zwischen Kommunen und Staat kommen könne, da die Kommunen unterschiedliche Interessen hätten. Er wies darauf hin, dass die Sicht auf Klimaanpassung in der Guldborgsund Kommune sich von der in einer Kommune im Landesinneren deutlich unterscheide. Daher äußerte er die Hoffnung, dass Kommunen und Staat einen konstruktiven Weg finden, Klimaanpassung in Küstengebieten als nationale Aufgabe zu gestalten. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage nach der Finanzierung diskutiert. Ein Teilnehmer äußerte die Sorge, dass die Bürger vor Ort selbst hohe Kosten tragen müssten, weil sie sich entschieden haben, am Wasser zu leben. Ist das gerecht?, fragte er und stellte die Frage nach der Verantwortung – ob diese individuell, kommunal oder national getragen werden sollte.
Ein anderer Teilnehmer betonte hingegen, dass gemeinsam geklärt werden müsse, wie die Verantwortung verteilt wird, damit sich niemand allein gelassen fühlt, sondern gemeinsam Lösungen entwickelt werden.
Ich hoffe, dass die Bürger davon profitieren konnten, andere Perspektiven als ihre eigenen kennenzulernen. Unterschiedliche Meinungen können Reflexion fördern, den Dialog differenzieren und neue Denkansätze für Lösungen eröffnen
Kartenspiel mit Vor- und Nachteilen
Nach einer kurzen Pause, in der erneut Kaffee und Kuchen gereicht wurden, begann der zweite Teil des Workshops. Den Gruppen wurden Karten ausgeteilt. Auf der einen Seite stand jeweils ein Vorteil im Zusammenhang mit Klimaanpassung, auf der anderen ein entsprechender Nachteil.
Beispiele für Karten:
Fester Schutz vor Wasser (z. B. Mauer oder Deich) – ich verliere einen Teil meiner Meeresaussicht.
Die Lösung schützt auch zukünftige Generationen – ich zahle jetzt mehr.
Küsten dürfen sich natürlich entwickeln – ich kann nicht genau steuern, wie sich das Gebiet verändert.
Zunächst sollten die Teilnehmer die Karten auswählen, die sie persönlich am wichtigsten fanden. Anschließend sollten sie sich in der Gruppe auf vier Karten einigen: zwei, die die Prioritäten der Gruppe widerspiegeln, und zwei, die sie als am wenigsten akzeptabel betrachteten. Die ausgewählten Karten sind auf den Bildern zu sehen.
Gerade diesen Teil des Workshops empfand Stiffani Rominikan als besonders wertvoll:
„Als Kommune konnten wir uns vom Workshopformat und der Gestaltung des Prozesses inspirieren lassen. Besonders den zweiten Teil habe ich als sehr bereichernd erlebt, da er einen guten Rahmen für Dialog und gemeinsame Reflexion geschaffen hat.“
Der Tag neigte sich mit abschließenden Bemerkungen der Teilnehmer, von Kristof Tomej und Stiffani Rominikan dem Ende zu.
Kristof Tomej sagte:
„Der Workshop ist Teil einer Reihe von Aktivitäten, die wir in ClimateBlue-Partnerkommunen in Dänemark und Deutschland durchführen. Ziel ist es, den Bürgern eine stärkere Stimme in Fragen der Küstenanpassung zu geben, insbesondere mit Blick auf die langfristige Entwicklung. Jede Aktivität bietet den Bürgern die Möglichkeit, Beiträge zu leisten, die ihnen helfen, ihre Sichtweisen und Perspektiven auszudrücken. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass unsere Aktivitäten diese Perspektiven auch mitprägen. So bringen wir beispielsweise Dilemmata oder neue Perspektiven zur Küstenentwicklung ein, die den Bürgern zuvor vielleicht nicht ausdrücklich bewusst waren. In Zusammenarbeit mit den Kommunen passen wir unsere Methoden an lokale Bedürfnisse an und erproben sie, um den Kommunen künftig einen Werkzeugkasten für eine effektivere Bürgerbeteiligung zur Verfügung zu stellen.“
Vielen Dank an alle Teilnehmenden für den guten Austausch.