Von Küstenberichten in Arnis bis hin zu Erosionsatlas und Bürgerbeteiligung in Kiel

Während der beiden Tage in Arnis und Kiel wurde deutlich, dass die Herausforderungen für die Küste und die notwendigen Anpassungen grenzüberschreitend sind. Zudem stehen wir im ClimateBlue-Projekt - und auch in der Arbeit, die darüber hinausgeht - stärker da, wenn wir Erfahrungen und Perspektiven teilen.

Am Mittwoch, dem 18. Februar, besuchte ClimateBlue Deutschlands kleinste Stadt Arnis, um unser zweites – und erstes persönliches Treffen im Advisory Board abzuhalten. Das Treffen fand in der historischen Kirche mit Blick auf die Schlei statt, einem fjordähnlichen Binnensee in der Ostsee. Arnis ist eine winzige Stadt mit einer Fläche von nur 0,45 km², in der etwa 300 Menschen in 120 Häusern leben. Die Stadt wurde 1667 auf einer Insel gegründet, die später mit dem Festland verbunden und zu einer künstlichen Halbinsel umgestaltet wurde.

Bei der Sturmflut im Oktober 2023 wurde Arnis schwer getroffen; ausgedehnte Überschwemmungen und ein Deichbruch betrafen rund 40 der 120 Häuser. Während einer Führung gab die stellvertretende Bürgermeisterin Michelle Dieckmann uns einen Einblick in die Sturmflutnacht und wie Arnis die Krise bewältigte. Gleichzeitig berichtete sie vom starken Gemeinschaftsgefühl, das inmitten all dessen entstand.

Als man mit eigenen Augen die getrocknete Linie an den Gebäudewänden sah, die das Ausmaß der Überschwemmung nach dem Deichbruch zeigte, wurde allen klar, wie wichtig die Arbeit von ClimateBlue ist

Kristof Tomej, Dozent am SDU Climate Cluster und Community Manager bei ClimateBlue.

Mit Michelles Erzählungen im Hinterkopf setzten wir die Arbeit in der Schifferkirche von Arnis fort, wo wir uns Poster-Präsentationen zu Herausforderungen und Möglichkeiten in den drei laufenden Teilzielen des Projekts anhörten und gleichzeitig wertvolles Feedback von Experten und Netzwerkpartnern mit externen Perspektiven erhielten.

Drei Herausforderungen

An drei Postern wurden Diskussionen geführt, die jeweils eine spezifische Herausforderung innerhalb von ClimateBlue darstellten: die Integration naturbasierter Lösungen in Küstenanpassungsstrategien, die gemeinsame Abstimmung auf eine ClimateBlue-Zukunft sowie die Entwicklung ortsbezogenen Wissens zur Stärkung lokaler Küstenakteure.

Es war besonders nützlich zu sehen, wie Vertreter und Vertreterinnen aus sowohl Deutschland als auch Dänemark die Fortschritte im ersten Jahr von ClimateBlue, die Erfahrungen und die vorläufigen Ergebnisse bewerteten. Sie trugen auch mit sehr notwendigen neuen Ideen und Erkenntnissen bei, die in den nächsten Phasen des Projekts verwendet werden können. Unser Advisory Board sichert auf diese Weise, dass das Projekt relevant für die Bedürfnisse der Gesellschaft bleibt, und dass seine Erkenntnisse mit dem Ziel implementiert werden, Effekt zu schaffen

Kristof Tomej

Diese Veranstaltung bildete eine solide Grundlage für die lebhaften Diskussionen im Advisory Board, das sich nicht nur aus Personen zusammensetzt, die aktiv an ClimateBlue beteiligt sind, sondern auch aus Vertreter:innen von Netzwerkpartnern und anderen Organisationen, die eine Außenperspektive auf den Fortschritt des Projekts einbringen können.

Wissensaustausch in Kiel

Am nächsten Tag ging es in Kiel beim LKN.SH (Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein) weiter - mit einem Vortrag von Dorothee Fehling und Thorsten Dey. Wir erhielten Einblicke in die Arbeit des Bundeslandes zu Küstenschutz und -planung, und es wurde deutlich, dass Küstenschutz eine komplexe Aufgabe ist, die nicht nur umfangreiche bauliche Maßnahmen wie Deiche und Schutzanlagen erfordert, sondern auch eine klare Verantwortungsverteilung.

Die 1.100 km lange Küstenlinie Schleswig-Holsteins birgt große Herausforderungen, da sowohl Wohngebiete als auch andere wertvolle Lebensräume von Überflutungen und Erosion bedroht sind. Hierzu erhielten wir Einblicke in die geplante regionale Strategie „Ostseeküste 2100“, in deren Rahmen unter anderem an einem Erosionsatlas gearbeitet wird – einem zentralen Instrument der Küstenschutzplanung. Dieser zeigt, wie steigende Meeresspiegel und häufigere Wellenbewegungen die Erosion verstärken und Küstenschutzmaßnahmen, Steilküsten und Dünen gefährden werden. Der Erosionsatlas fließt auch in das ClimateBlue-Projekt ein und unterstützt eine „Rückzugsstrategie”, die sich auf die Schaffung von Pufferzonen und die Begrenzung von Bebauung in Küstennähe konzentriert.

Insgesamt bot die Präsentation einen starken Rahmen für unseren Dialog darüber, wie Wissen und Instrumente grenzübergreifend in der deutsch-dänischen Region genutzt werden können.

Anschließend stellte Dr. Martina Baum die Arbeit der Landeshauptstadt Kiel zur Bürgerbeteiligung bei der Klimaanpassung anhand von Beispielen aus Kiel Schilksee und dem Schützenpark vor. Sie zeigte den Unterschied zwischen ungelenkten Prozessen mit vielen Akteur:innen und höherer Komplexität und gelenkten Abläufen, bei denen die Kommune in höherem Maße die Richtung vorgibt. Sie betonte, dass Erfolg auf respektvollen Beziehungen, frühzeitiger und ernsthafter Einbindung sowie einem schrittweisen Prozess beruht, der Eigenverantwortung und Handlungsfähigkeit stärkt.

Wir beendeten den Tag mit zwei kurzen Workshops – der erste befasste sich mit naturbasierten Lösungen, und im zweiten Workshop arbeiteten wir daran, welche Klimaanpassungsthemen kommuniziert werden – und wie sie effektiv vermittelt werden können.

Insgesamt waren es zwei bereichernde Tage, gefüllt mit praxisnahen Beispielen, fachlichem Austausch und offenem Dialog, die die deutsch-dänische Partnerschaft im Rahmen des ClimateBlue-Projekts nachhaltig gestärkt haben.